Montag, 5. Mai 2014

21: Der Sinn des Sprechens

IMPORTENT ÄNNAUNZMENT
Geschätzte LeserInnen
Aus verschiedenen Gründen habe ich mich dazu entschieden, ab jetzt nur noch alle zwei Wochen einen Blogeintrag zu verfassen. Beim derzeitigen Rhythmus fällt es mir zunehmend schwer, die Qualität hoch zu halten, und die will ich keinesfalls aufs Spiel setzen. Ich danke für allfälliges Verständnis. Nun ohne weitere Umschweife zum Eintrag dieser Woche, oder eben ab jetzt dieser zwei Wochen (die Briten haben sogar ein Wort dafür: Eine Periode von 14 Tagen wird als "fortnight" bezeichnet).

"Eins von den Dingen, die Ford Prefect an den Menschen immer sehr schwer begreiflich fand, war ihre Angewohnheit, sich das Allerselbstverständlichste ständig zu bestätigen und zu wiederholen. Zum Beispiel: 'Schöner Tag heute' oder 'Sie sind sehr groß' oder 'Du meine Güte, Sie sehen aus, als wären Sie in einen zehn Meter tiefen Brunnen gefallen, geht's Ihnen gut?'. Ford hatte sich eine Theorie zurechtgelegt, um für dieses merkwürdige Verhalten eine Erklärung zu finden. Wenn die Menschen ihre Lippen nicht ständig in Bewegung halten, dachte er, rosten sie wahrscheinlich ein. Nach ein paar Monaten Nachdenken und Beobachten gab er diese Theorie zugunsten einer neuen auf. Wenn sie ihre Lippen nicht ständig in Bewegung halten, dachte er, fangen ihre Gehirne an zu arbeiten. Nach einer Weile verwarf er auch diese Theorie, weil sie ihm allzu zynisch vorkam, und er gelangte zu dem Schluß, daß er die Menschen eigentlich ganz gern habe. Trotzdem trieb es ihn manchmal zur Verzweiflung, über wie wahnsinnig viele Dinge die Menschen überhaupt nichts wußten." (Aus: Adams, Douglas: Per Anhalter durch die Galaxis)

Das da oben war die Inspiration, hier folgt das Produkt: Herzlich willkommen zu einer kleinen Abhandlung zum Thema "kommunikative Funktion - Warum sagen wir, was wir sagen?". Fangen wir den Post dieser Woche an, indem wir den Begriff der kommunikativen Funktion ausreichend klären. Man kann es eigentlich recht simpel zusammenfassen: Die kommunikative Funktion bezeichnet das Ziel, die Absicht, die wir mit unseren sprachlichen Äusserungen verfolgen, auch "Illokution" genannt. Ein Modell dazu finden wir in den Textfunktionen. Es gibt vier Haupt-Textfunktionen und ein paar seltenere Unterfunktionen. Bei den meisten Texten kann man eine einzelne zentrale Funktion bestimmen, aber oft finden sich mehrere verschiedene Funktionen in Texten. Folgende Hauptfunktionen gibt es:

Die informative/referentielle Textfunktion
Äusserungen mit dieser Funktion wollen einfach nur Information vermitteln. Sie tun dies in der Regel auf eine nüchterne, objektive Art. Typische Beispiele sind Nachrichtentexte oder die Wettervorhersage.

Die expressive Textfunktion
Äusserungen dieser Art sind klassischerweise subjektiv. Es geht vor allem um Emotionen, die auf eine Art übermittelt werden, die standardmässig selbstdarstellend und "auffällig" ist. Beispiele sind etwa Erlebnisschilderungen und Tagebucheinträge.

Die appellative Textfunktion
Diese Äusserungen fordern den Empfänger zu etwas auf. Als Beispiele kann man etwa Werbeanzeigen oder Gesuche anführen.

Die phatische Textfunktion
Solche Äusserungen dienen lediglich der Beziehungspflege. Sender und Empfänger sind sich praktisch gleichwertig gegenübergestellt. Typische Beispiele wären Glückwünsche, Postkarten oder Smalltalk.

Nun zum Diskussionsteil. Ich will im Stile eines armchair linguist (einer, der philosophiert statt empirisch untersucht) über das Thema "Sinn des Sprechens" schreiben. Wie verhält sich das mit den Funktionen beim mündlichen Sprachgebrauch? Schenken wir denen da Beachtung?

Da der mündliche Sprachgebrauch sehr spontan vonstatten geht, muss davon ausgegangen werden, dass sich die Leute kaum je bewusst Gedanken zur genauen Funktion ihrer Äusserungen machen. Nicht einmal ich als Hobbylinguist tue das beim Sprechen, sondern nur, wenn's ums Schriftliche geht. Sollten sich das ändern? Schwer zu sagen. Aber wissen Sie: Manchmal frage ich mich, ob die Textfunktion teilweise nicht doch berücksichtigt wird. Ob es nicht sein könnte, dass Menschen quasi darauf programmiert sind, anhand der Funktion ihrer Äusserungen beim Sprechen Selektion zu betreiben. Ich gehöre nämlich zu der Sorte von Menschen, die, mal euphemistisch (untertreibend) ausgedrückt, nicht gerade die grössten Quasselstrippen sind. Es scheint mir, als wäre unter eher schweigsamen Menschen eine spezielle Form der Sprachökonomie (möglichst wenig Aufwand, möglichst grosser Nutzen) verbreitet. Ich behaupte folgendes, gestützt auf meine Erfahrungen und Beobachtungen:

Die meisten introvertierten Menschen haben - teils bewusst, teils unbewusst - Mühe damit, Äusserungen zu machen und auf Äusserungen zu antworten, hinter denen sie keinen direkten, praktischen Sinn ausser dem "Kontakt haben" erkennen können; sie haben also in erster Linie Probleme mit phatischen Äusserungen. Diese sind "Äusserungen um ihrer selbst Willen" - wie zum Beispiel das spontane Äussern eines Gedankens oder das Erzählen irgend eines Erlebnisses. Es ist kein direkt erkennbarer Nutzen dahinter erkennbar, man sagt etwas nur oder hauptsächlich deshalb, weil man Kontakt haben will. Beim Smalltalk steht kein sachliches Informieren, kein Erklären und kein Überzeugen im Vordergrund. Wozu und wie soll man denn dann überhaupt etwas sagen? Und was soll man da bloss sagen, beim Sprechen um des Sprechens Willen, wenn man ein so schwammiges Ziel hat? Damit kämpfen meiner Meinung nach viele introvertierte Menschen - auf dem phatischen Gebiet fühlen sie sich unsicher und ratlos, und zwar vielleicht deswegen, weil sie kein konkretes, fassbares Ziel verfolgen können und sich aufgrund ihrer zurückhaltenden Natur das Sprechen ohne eine durch ein klares Ziel vorgegebene Struktur nicht so gewohnt sind. Sie laufen Gefahr, beim Sprechen zu viel nachzudenken, wodurch sie gefühlskalt, teilnahmslos, schüchtern und ungeschickt wirken können.

Die meisten extrovertierten Menschen kennen aus meiner Sicht kaum solche Barrieren. Sie sind es sich gewohnt, einfach um des Sprechens Willen mit jemandem zu reden, sprechen auch gern mal das Offensichtliche aus und erzählen liebend gern aus ihrem Leben. Sie haben wohl dank ihrer offenen Art einfach die nötige Erfahrung damit, "ziellose", beziehungspflegende Gespräche am Leben zu erhalten. Aber Achtung: Sie laufen Gefahr, beim Sprechen zu wenig nachzudenken, wodurch sie unsensibel, verwirrend, einfältig und nervig wirken können.

Die Moral von der Geschicht': Beim Schreiben ist es von Vorteil, sich eingehend zur Textfunktion Gedanken zu machen. Aber beim alltäglichen Sprechen braucht man den Funktionen meiner Ansicht nach wenig bis gar keine Beachtung zu schenken. Die alltägliche soziale Interaktion zwischen Menschen braucht nicht immer einen definierten Sinn mit unmittelbar erkennbaren Ergebnissen zu haben. Ist es nicht gerade die "Unnötigkeit", die die phatischen Gespräche so einzigartig und irgendwie menschlich macht? Vielleicht ist es gerade gut, zu wissen, dass der andere nur um des Kontakts Willen mit einem spricht..? Denken Sie drüber nach.

-Der Sprachbeschreiber

Montag, 28. April 2014

20: Fun facts

Geschätzte Adressatinnen und Adressaten
Ich habe zurzeit nicht gerade zu wenig zu tun. Das kann gegen Ende eines Semesters vorkommen. Deswegen speise ich Sie diese Woche mit ein wenig leichterer Kost ab, die mich weniger Originalität und Reflexion kostet als sonst. Ja, ich gebe das zu. Dennoch stehe ich zu diesem Post. Wissen Sie noch, Post #1? Da hab ich schon Sprachfacts präsentiert. Und es gibt ja reichlich davon. Also offeriere ich diese Woche, im zwanzigsten Post, noch 'ne Ladung davon.


-In Schweden ist die Höflichkeitsform wohl weltweit am krassesten auf dem Rückzug, während sie in Frankreich noch immer wahrscheinlich am festesten verankert ist. Laut einer Umfrage würden gerade mal rund 55,5 % der befragten Schweden einen älteren Fremden unter Verwendung der Höflichkeitsform nach dem Weg fragen. In Frankreich würden das 100% tun. Gleichaltrige oder jüngere Unbekannte würden nur noch unter 5% der Schweden mit der Höflichkeitsform ansprechen. Bei den Franzosen sind es fast 80%(!). Ein Post zum Thema Höflichkeit kommt bestimmt noch. Falls Sie nichts dagegen hätten...

-Es ist noch immer ein Mysterium, wie das menschliche Gehirn Sprache "herstellt". Besonders verdutzend ist etwa, dass Kinder schon im Mutterleib auf Sprache reagieren und beim frühen Sprechen Fehler machen, die ihnen niemand vorgesagt hat, was vermuten lässt, dass sich das Gehirn da verselbständigt. Man weiss übrigens auch noch nicht, wie das wirre Bild, das auf die Netzhaut im Auge fällt, im Gehirn zu einem kognitiv verarbeiteten Ganzen zusammengesetzt wird. Sie hätten gern einen Nobelpreis? Dann haben Sie da zwei Ansatzpunkte.

-In einer Vorlesung aufgeschnappt: Der aktive Wortschatz eines durchschnittlichen Erwachsenen, also das, was dieser verwendet, umfasst 6000 - 10‘000 Worte. Der passive Wortschatz, also das, was er versteht, beläuft sich auf 16‘000 - 100‘000 Worte. Der Fachwortschatz eines Fachgebiets wie der Chemie oder der Medizin enthält ca. 2‘000‘000 Worte. Und nein, das Leben von Experten, die Wissen vermitteln sollen bzw. müssen, wird dadurch nicht vereinfacht.

-Sprachkompetenz begünstigt uns auf verschiedenste Weise. Sie öffnet Türen und hilft, respektiert und ernst genommen zu werden. Und Matthias Ballod weiss aus der Forschung des Wissenserwerbs zu berichten:
"Warum ist das Sprachvermögen so entscheidend? Weil die individuelle Wissensbewältigung und das Erschliessen fachlicher und sachlicher Zusammenhänge fundierte Kenntnisse von Begriffen, Benennungen und sprachliche Strukturen [sic] sowie ihrer Anwendungen voraussetzt. Der Philosoph Peter Bieri bringt es in guter Tradition von Immanuel Kant, Wilhelm von Humboldt oder Karl Bühler auf den Punkt: Sprache ist das elementare und eigentliche Medium bei der Aufnahme, Verarbeitung und Bewertung von Wissen und zugleich der Generalschlüssel für unsere Umwelt, unser Denken und für den Austausch mit anderen Menschen." (Ballod 2009: S. 28)

-Entdecken Sie hier die Entstehungsgeschichten 25 englischer Redewendungen.

-Dann hier noch die Liste mit den deutschen Worten, die nach einer Recherche für den Duden Unnützes Sprachwissen mithilfe der Google-Suche am meisten falsch geschrieben werden. Vielleicht gibt's da ein paar Aha-Erlebnisse.


-Und ein letztes Faktum: Wortspiele erfreuen sich beim Werben in meiner Umgebung weiterhin grösster Beliebtheit und sind immer mehr Geschmackssache. Das beweist dieses Fundstück im Schaufenster eines Riehener Optikers.



So, ich hoffe, es hat Spass gemacht! Auf Wiederschaun.

-Der Sprachbeschreiber

Quellen:

Clyne, Michael, Norrby, Catrin, & Warren, Jane (2009). Language and Human Relations. Styles of Address in Contemporary Language. Cambridge: CUP.

Ballod, Matthias: Typen von Wissen. Begriffliche Unterscheidung und Ausprägungen in der Praxis des Wissenstransfers. In: Antos, Gerd & Wichter, Sigurd (2009): Transferwissenschaften. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH 

Hess, Jürgen C. (2012): Duden Unnützes Sprachwissen. Duden Verlag

Montag, 21. April 2014

19: Ratgeber zur Schriftlichkeit des 21. Jahrhunderts


Der junge Chatter hier - sei diese Konversation nun echt oder, was eher anzunehmen ist, für eine Funwebsite erstellt worden - hat die Tücken der modernen Schriftlichkeit eindrücklich kennen gelernt. Kommunikation verläuft erfolgreich, wenn die Gesprächspartner die Ziele erreichen, die sie mit ihrer kommunikativen Aktivität verfolgen. Manchmal wollen wir einfach nur plaudern, "damit geplaudert ist", aber gelegentlich möchten wir auch Informationen vermitteln, Emotionen auslösen, erklären, überzeugen etc. Dafür muss man sich auf die richtige Art und Weise verständlich machen. Schon im Gespräch von Angesicht zu Angesicht tun wir uns damit aber immer wieder mal schwer. Im schriftlichen Kanal ist das noch einmal eine Stufe anspruchsvoller. Und heutzutage verläuft bekanntlich sehr viel Kommunikation schriftlich - besonders per Chat, SMS oder E-Mail. Das bringt Herausforderungen mit sich, und die will ich heute behandeln und anhand meines Wissens aus der Verständlichkeitswissenschaft kommentieren.

Schriftliche Sprache bietet verschiedenste Stolpersteine auf dem Weg zu kommunikativen Zielen. Die oberste Verständlichkeitsproblemebene ist bei Texten die Leserlichkeit (legibility). Ja, handschriftliche Dokumente sind bei Chat, SMS und E-Mail nicht zu erwarten. Deswegen zeigen sich die Leserlichkeitsprobleme hier in leicht anderer Form: Man vertippt sich schnell einmal, und die unvollständige oder orthographisch fehlerhafte Nachricht bleibt - auch wegen unserer jeweils-ganze-Wörter-scannenden Gehirne - oft unbehelligt und ist dann auf Knopfdruck schnell versandt, besonders bei spontanen Chat- oder SMS-Nachrichten (nicht vergessen: Eiiigentlich kann man nicht "SMS verschicken", denn das Akronym "SMS" steht für "short message service". Wer will den gleich den ganzen Dienst versenden? Aber was soll's, diese metonymieähnliche Sprachkreation ist längst fest in der deutschen Sprache verankert - während man etwa in englischsprachigen Gebieten stets korrekt von "text messages" spricht.). Bei E-Mails (eigentlich auch falsch: "Mail", genau wie das deutsche Pendant "Post", kennt keinen Plural. "E-Mails" hat sich der Einfachheit halber durchgesetzt...) ist aufgrund der meist längeren Textkörper diesbezüglich auch auf eine annehmbare, übersichtliche Darstellung mit gut platzierten Absätzen zu achten - nicht nur bei Geschäftskorrespondenz! Es geht bei der Verwendung von Paragraphen ja nicht in erster Linie um ein professionell aussehendes Textbild, sondern um das Begünstigen der Verständlichkeit.

Danach folgt als nächste Ebene die Lesbarkeit (readability). Hierbei geht es um die Wortlänge, die Satzlänge und die syntaktische Komplexität (Satzschwierigkeit). Im Allgemeinen kann ja gesagt werden, dass schriftliche Texte Resultate von tieferer Reflexion sind als spontane mündliche Äusserungen und deshalb dazu neigen, längere Wörter und komplexere Sätze zu beinhalten. Aber beim Chatten und "Simsen" bleibt die spontane Note grösstenteils vorhanden. Die Schweiz ist da ein Spezialfall, da sie mit dem Dialekt sogar eine eigene Sprachvarietät hat, die fast ausschliesslich für den alltäglich- spontanen Sektor reserviert ist. Meist sind Chat- und SMS-Nachrichten kurz und simpel und beinhalten rein grammatisch manchmal nicht ganz einwandfreie Satzstrukturen, die für die mündliche Sprache charakteristisch sind und das Verständnis kaum behindern. Wer etwas elaborierter schreibt, achte auf folgende potenzielle Verständniserschwerer:

WORTEBENE 
Erschwerer: Ungebräuchliche Wörter (z.B. veraltete), Fremdwörter, Fachwörter, Abkürzungen, Akronyme, Komposita (möglichst nicht mehr als 3 Basisteile, sonst auflösen: z.B. Textverständlichkeitskonzeption -> Konzeption der Textverständlichkeit), Nominalisierungen (abgeleitet aus Verb, bezeichnet Tätigkeit/Prozess statt Gegenstand, z.B. unterscheiden – Unterscheidung, bewerten - Bewertung)

SATZEBENE
Erschwerer: Sachlogische Reihenfolge nicht eingehaltenVerbklammern/Umklammerungen (Verb auseinandergerissen), zuviel Info zwischen zusammengehörigen Satzteilen, Füllfloskeln (statt "zu einem späteren Zeitpunkt" -> später, statt "ein Ding der Unmöglichkeit" -> unmöglich), Nominalphrasen (Nomen mit zu vielen Adjektiven und Adverbialen drumherum), implizite Verknüpfungen (worauf beziehen sich Pronomen etc.)

Aber Achtung: Auf diese Dinge sollen Sie achten, Sie brauchen sie nicht gleich aus Ihrem Sprachgebrauch zu verbannen; besonders rhetorisch können sie teilweise wichtig sein! 

Die dritte und unterste Ebene ist die Verständlichkeit (comprehensibility). Sie betrifft den Inhalt und hängt ab von Vorwissen, Motivation, Ausbildung, Alter etc. der Leserschaft. Da man den Chat- oder SMS-Partner aber in der Regel gut genug kennt, kann man sich eine detaillierte Adressatenanalyse und entsprechende Massnahmen im Normalfall sparen. Dennoch gilt im Allgemeinen: Denken Sie immer ausreichend an Ihr Zielpublikum und dessen Voraussetzungen, wenn Sie etwas schreiben!

Zum Abschluss noch ein paar Tipps: 
-Überfliegen Sie Ihre Nachrichten, bevor Sie beiläufig auf "Senden" klicken/tippen!
-Beim Schreiben fehlt Ihnen das paralinguistische Inventar (Mimik, Gestik, Intonation etc.). Versuchen Sie zu erkennen, wie man Ihre Äusserungen ohne diese Mittel falsch verstehen könnte. Lesen Sie zum Beispiel mal den folgenden Satz mehrmals, und betonen Sie dabei jedes Mal ein anderes Wort: "Ich habe dir das Geld nicht gestohlen!". 
-Unterschätzen Sie bei informellen Nachrichten nicht die Vorteile von Emoticons, die die Mimik teilweise ersetzen können.
-Seien Sie explizit, wiederholen Sie sich gelegentlich (z.B. Nomen wiederholen statt Pronomen verwenden).
-Zögern Sie auch beim Chatten nicht mit Rückfragen zum eigenen Verständnis und dem des Gegenübers. 

Und lassen Sie sich vor allem folgendes gesagt sein: Wenn ein wichtiges, emotionales Gespräch ansteht, dann will ich Ihnen als Sachverständiger raten, dass Sie es in den mündlichen Kanal verlegen und sich face-to-face treffen. Dann haben Sie alle Mittel für konstruktives und verständnisorientiertes Kommunizieren in optimaler Verfügbarkeit beisammen - und wenn wir uns schon da so oft missverstehen, wie soll das da erst im schriftlichen Kanal ausgehen? Mit den Vorteilen eines klassischen, mündlichen Gesprächs kann kein schriftliches Medium mithalten! Ich hoffe, das geht im elektronischen Zeitalter nicht vergessen. Long live the Mündlichkeit!

-Der Sprachbeschreiber

Montag, 14. April 2014

18: Heitere Sprachspiele #3

Willkommen zu Runde 3 der "Heiteren Sprachspiele"! Und los geht's.

Ein simples Faktum, das Anlass zu Sprachspielen gibt, ist dasjenige, dass das korrekte Verständnis von Komposita (zusammengesetzten Worten) in aller Regel Weltwissen voraussetzt. Beispiel: Wer ist bei einer Blutvergiftung vergiftet, und wer bei der Fischvergiftung? Das sagt Ihnen das Wort selbst nicht. Und das führt dann etwa zu Zweifeln an der Seriosität des Störungsdienstes der Basler Verkehrsbetriebe. Zum Glauben, eine Luftaufnahme sei ein Foto von etwas Unsichtbarem. Was gibt's im Kindermuseum zu sehen? Und wer trägt nochmal gleich eine Krokodilhandtasche? Auch hier ist offenbar jemand nicht näher informiert und folglich verwirrt:


Als "Kalauer" bezeichnet man Witze mit Wortspielen, die gewissermassen Geschmackssache sind. In der Regel bedient man sich dazu der Polysemie (Mehrdeutigkeit) und des ähnlichen Klangs verschiedener Wörter. Da kann man Profi drin werden, das weiss ich mittlerweile aus Erfahrung. Hier der Beweis: Ich könnte einen Wettbewerb unter meinen linguistisch nicht ausgebildeten Lesern machen, und der Gewinner dürfte sich dann "Simba" nennen. Warum? Na, er wäre dann der Laien-King.


Mein Gehirn scheint wirklich schon ziemlich auf solche Wortspiele konditioniert zu sein. Einmal erklärte ich einem Freund einen Übersetzungsfehler in der Bibel. "Das 'Kamel', das angeblich durch ein Nadelöhr geht, ist eigentlich ein Schiffstau (gr. kamilos)." Und dann wollte ich als mögliche Begründung die fehlende Vertrautheit der Übersetzer mit Schifffahrtsvokabular nennen, und verhaspelte mich genau im falschen/richtigen Moment: "Wahrscheinlich, weil die Übersetzer nicht so mit Schifffahrtsvokabular vertaut waren".

Dann habe ich hier noch ein paar Kalauroide 1 der Kategorie "Geschmackssache" für Sie. Frohes Seufzen, Kopfschütteln und Schenkelklopfen wünsche ich.
1= Die Endung "-oid" zeigt bei manchen Worten an, dass es sich um ein Ding handelt, dass dem Ding hinter dem angepassten Wort ähnlich ist, hier also möchte ich zu verstehen geben, dass manche gezeigten Objekte vielleicht nicht eindeutig und ausschliesslich Kalauer sind. Ich benutze die Endung, wann immer ich will. Das ergibt dann also manchmal vielleicht nur Wortoide. Da, schon wieder.

Warum verschwinden immer wieder Rentner im Internet? 
-Weil sie gleichzeitig Alt+Delete drücken.

Geht ein Cowboy zum Friseur. Als er wieder rauskommt, ist sein Pony weg.

Treffen sich zwei Magneten. Sagt der eine: "Was soll ich heute bloss anziehen?"




Treffen sich zwei Kerzen. Fragt die eine: "Ist Wasser gefährlich?" Darauf die andere: "Davon kannste ausgehen."

"Ich bin es leid, ständig hier herumzuhängen", sagte die Glühbirne und brannte durch.

Warum sieht man in Kirchen keine Ameisen?
- Weil sie in Sekten sind.




Was sagt man, wenn ein Stalker gestorben ist?
- "Der ist weg vom Fenster."

Gehen zwei Unbefugte über eine Baustelle. Kommt ein Bauarbeiter und ruft: "He, könnt ihr nicht lesen? Da steht doch: Zutritt verboten!". Meint der eine Unbefugte: "Wieso? Wir sind doch nur zu zweit!"





Genug, oder? Falls nein, reicht ein Klick hier. Dann sage ich ciao und hoffe, dass die Prellungen, die Ihre Hände an Schenkeln und Stirn hinterlassen haben könnten, bald verheilen.

-Der Sprachbeschreiber